Manche Dinge sind heilig. Manche Dinge sind noch heiliger. Und manche Dinge – ja, richtig geraten – sind Bratwürste aus St. Gallen.
Kaum ein Lebensmittel sorgt international so für Aufsehen wie diese, sei es wegen PFAS-Skandalen, Polizeieinsätzen wegen „zu teurer“ Würste oder Expansionen des Zürcher „Sternen-Grills“.
Aber das wahre Drama liegt woanders: Senf. Für uns Normalsterbliche ein harmloser Genussverstärker, für den St. Galler ein rotes Tuch. Senf zur Bratwurst? Unvorstellbar. Ein Fehltritt. Ein Verstoss gegen jahrhundertealte Wurstethik. Wer Senf wagt, hat den heiligen Status der Wurst nicht verstanden – und riskiert verspottet zu werden.
Meine Lösung: Lasst uns die Wurst ernst nehmen, aber nicht uns selbst. Die St. Galler geniessen ihre Bratwurst pur, ich gönne mir meinen Senf daneben – und wir lachen gemeinsam über die kulturellen Unterschiede. Vielleicht ist die Bratwurst ja genau deshalb so grossartig: Sie zwingt uns, zu wählen, zu diskutieren, zu provozieren. Mit oder ohne Senf? Für St. Galler eine Glaubensfrage, für den Rest von uns ein köstlicher Zankapfel.
Am Ende bleibt nur eines sicher: Wer die Bratwurst missachtet, hat wirklich etwas verpasst. Wer sie mit Senf verschandelt – nun ja, zumindest kann man darüber streiten.
Ich grüsse von der Olma, Marco Canonica
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