Italiener schwimmen, Schweizer schweben

Veröffentlicht am 21. Dezember 2025 um 08:30

In der Schweiz haben wir zwar kein Meer, aber wir haben etwas viel Besseres: das Nebelmeer.

Frühmorgens keine Liegestuhl-Schlachten mit deutschen Touristen, die sich gegenseitig Handtuch-Territorien abstecken, kein Sand, der zwischen den Zehen knirscht, keine versteckten Muscheln, die einen überraschend in die Knie zwingen. Dafür dicker, samtiger Nebel bis etwa 900 Meter über Meer – fast wie eine italienische Brandung, nur eben in Grau und mit Alpenpanorama.

Und wenn sich die Sonne dann zwischen den Nebelschwaden zeigt, ist das Schweizer Meer plötzlich ein Schauspiel für Fortgeschrittene: man könnte fast glauben, man stehe auf einem italienischen Küstenfoto, nur dass hier die Alphörner fehlen und die Käsefondue-Standorte dezent im Hintergrund warten.

Unser Nebelmeer ist demokratisch: jeder darf eintauchen, niemand kämpft, jeder staunt. Und wer meint, dass Italiener den Sommer besser können, der hat noch nie den leisen Triumph gespürt, wenn man nach einer Wanderung aus dem Nebel tritt – und das Panorama, die Sonne, die frische Luft geniessen kann.

Kurz: Wir haben kein Meer? Stimmt. Wir haben Nebel, wir haben Ruhe, wir haben Alpen-Magie. Wer braucht schon Handtuch-Kriege, spitze Muscheln oder überfüllte Strandbars, wenn man das alles in sanftem Grau mit einem Augenzwinkern haben kann?

Heute geht’s ans Meer nach Ostia, Roma. Ciao Marco Canonica

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