Wenn Speck Politik macht

Veröffentlicht am 14. Dezember 2025 um 08:30

Also wirklich, die EU hat es wieder geschafft, ein Mini-Drama im Pastatopf zu kochen.

Eine „Carbonara“ im hauseigenen Shop der Europäischen Union, frech mit Pancetta statt Guanciale. Darüber hat im Tages-Anzeiger Zoe Egli geschrieben – und ich hörte beim Lesen förmlich die italienischen Schutzheiligen kollektiv seufzen. Natürlich leitete der Agrarminister sofort eine Untersuchung ein; ich stelle mir Alarmsirenen in Rom vor: „Codice Carbonara rosso! Sofort alle Teller sichern!“ Und ja, verständlich: Wenn ein Land jährlich 120 Milliarden verliert, weil überall jemand „italienisch“ spielt, wird selbst Speck zur Staatsaffäre.

Nur – wir tun jetzt bitte nicht so, als wären wir kulinarische Vorbilder. Wie oft steht bei uns diese legendäre „Spaghetti Carbonara mit Rahm“ auf der Karte? Ein Gericht, das traditionell so viel Sahne enthält wie ein Schweizer Politiker Spontanität. Und natürlich: Manche dieser Rahmsünden schmecken gar nicht so übel. Sie sind einfach keine Carbonara. Punkt. Basta.

Meine Lösung? Wir führen eine „geschützte Ursprungsfrechheit“ ein. Jeder darf kochen, wie er will – aber bitte mit einem ehrlich grinsenden Label. „Carbonara-ähnliche Pasta mit lokalem Optimismus“, zum Beispiel. Das beruhigt Italien, entspannt gar die EU und lässt uns weiterhin hemmungslos Rahm in Dinge giessen, die eigentlich keinen brauchen.

Am Ende bleibt nur eine Wahrheit stehen: Wer beim Essen lacht, hat schon gewonnen – ganz ohne Minister, Speck-Diplomatie und Sahnekonflikte; aber mit dem UNESCO-Kulturerbe der italienischen Küche.

 

Gruss aus der Küche, Marco Canonica

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