Die Legende vom besseren Autofahrer

Veröffentlicht am 28. Juni 2026 um 07:30

Als ich kürzlich wieder einmal eines dieser alten Filmchen aus den Siebziger- und Achtzigerjahren sah, musste ich schmunzeln.

Damals war die Welt noch erstaunlich einfach. Männer konnten Auto fahren. Frauen konnten fragen, wo es langgeht. Männer verstanden Technik. Frauen verstanden Männer. Gut, letzteres war vermutlich schon damals ein Gerücht.

In diesen alten Werbefilmen standen Männer mit wichtiger Miene neben Autos, erklärten Motoren, Reifen und Vergaser und blickten dabei, als hätten sie persönlich die Mobilität erfunden. Die Frauen lächelten bewundernd.

Heute schaut man solche Szenen an und fragt sich, ob damals wirklich jemand geglaubt hat, das sei die Realität.

Denn inzwischen sitzen Männer regelmässig vor ihrem Fernseher und rufen:

«Warum funktioniert das jetzt wieder nicht?»

Während ihre Tochter das Problem in zwölf Sekunden löst.

Auch beim Autofahren hat sich Erstaunliches getan.

Früher hiess es, Männer seien die besseren Fahrer. Heute sitzen Männer und Frauen gemeinsam im Auto und diskutieren mit derselben Leidenschaft über dieselbe Frage: «Warum hat das Navi uns hierhergeschickt?»

Der Unterschied liegt lediglich in der Schuldzuweisung. Der Mann glaubt, das Navi sei falsch. Die Frau glaubt, der Mann habe das Navi falsch verstanden. Beide sind fest davon überzeugt, recht zu haben. Und genau deshalb fahren sie noch immer dieselbe Strecke.

Meine Theorie: Früher glaubten Männer, sie hätten die Technik im Griff. Heute wissen wir alle, dass die Technik uns im Griff hat.

Und wenn das WLAN ausfällt, sind plötzlich Männer und Frauen gleichermassen hilflos.

Das nenne ich Fortschritt.

 

Von Marco Canonica

 

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Foto: pixabay.com


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