Seit 25 Jahren pendle ich zwischen zwei Welten:
der schweizerischen Präzision und der italienischen Gelassenheit. Wenn ich in Bad Zurzach um 18 Uhr zu einem Kaffee verabredet bin, stehe ich um 17:57 Uhr bereit, Stoppuhr in der Hand, bereit für das Schweizer Ritual der pünktlichen Begrüssung. In Italien? Da kann aus 18 Uhr schnell 18:30 Uhr werden – und das ist noch optimistisch gerechnet. Denn in Italien bedeutet 18:30 Uhr eigentlich immer noch „wie 18 Uhr“, nur auf eine andere, entspannt melodische Art.
Mittlerweile frage ich immer vorab: „Treffen wir uns um 18 Uhr Schweizer Zeit oder um 18 Uhr italienischer Zeit?“ Das sorgt regelmässig für Gelächter – und ich gebe zu, ein bisschen für meine Genugtuung. Ich habe gelernt, dass Schweizer Effizienz und italienische Improvisation eigentlich ein unschlagbares Team wären, wenn man nur den Mut hätte, die Uhren ein bisschen anders zu stellen.
Vielleicht sollten wir die Schweizer Uhren auf italienische Zeit umstellen – dann kommt jeder pünktlich, aber alle entspannt. Oder umgekehrt: Italiener lernen Schweizer Minuten kennen – und wir hätten plötzlich alle Zeit, die wir wirklich brauchen.
Mein Fazit: Schweizer Präzision ist genial, italienische Improvisation unverzichtbar. Kombiniert man beides, entsteht Chaos mit Stil – und ich habe endlich gelernt, dass pünktlich sein nicht alles ist, aber lachen über die Unterschiede unbezahlbar.
Bin leicht verspätet, Gruss, Marco Canonica
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