Es gibt Winterabende, - zum Beispiel wie dieser von gestern - da verwandelt sich unser Döttinger Eisfeld in eine Art sozialanthropologisches Experiment.
Menschen mit normalen Berufen mutieren zu taktischen Eisstock-Strateginnen und -Strategen, die plötzlich wissen, wie Physik, Psychologie und ein Hauch Magie zusammenhängen. Ein Wunder, das – man muss es sagen – nur möglich wurde, weil die Siebesieche es damals initiiert haben. Ein Engagement für eine extrem gute Sache, das bis heute nachhallt.
Und so standen wir wieder da: eine Arbeitskollegen-Formation, die offiziell „nur zum Plausch“ antrat – ein Satz, der etwa so glaubwürdig ist wie „Ich brauche keinen Kaffee, ich bin wach genug.“ In Wahrheit hatte jede und jeder Ehrgeiz im Blick, als hätte der Eisstock persönlich die Steuererklärung ruiniert.
Der Start war harmonisch, bis die ersten Schübe zu kurz, zu lang oder „absichtlich knapp daneben“ gingen; taktisch halt. Danach entfaltete sich jener Zauber, der nur im Teamsport oder bei Familienfesten vorkommt: plötzlich wussten alle genau, wie es richtig geht. Tipps schwirrten durch die Luft wie Schneeflocken – schön anzusehen, aber komplett unberechenbar.
Und trotzdem: Dieser Mix aus Stolz, Rutschpartie und kollektiver Selbstüberschätzung sind genau das, was den Abend perfekt macht. Wir lachen über unsere Fehlwürfe, feiern die seltenen Präzisionsschüsse wie Weltrekorde und gehen heim mit dem Gefühl, dass man für Glück weder tropische Strände noch Hightech braucht. Nur Eis, ein paar Stöcke – und Menschen, die es gut meinen. Mit uns. Und manchmal sogar mit sich selbst.
Gruss und dabei sein ist alles, Marco Canonica
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