Warum ich lieber schmunzeln lasse

Veröffentlicht am 1. Juli 2026 um 07:15

Immer wieder werde ich gefragt, weshalb ich ausgerechnet humorvolle, witzige Kolumnen schreibe.

Die Antwort ist erstaunlich einfach.

Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass wir morgens als Erstes mit schlechten Nachrichten geweckt werden. Kaum öffnet man eine App, die Zeitung oder schaltet Radio oder Fernsehen ein, wartet bereits die nächste Krise. Schlagzeilen kämpfen um Aufmerksamkeit – und Aufmerksamkeit gewinnt meistens das Dramatische, das Laute, das Negative.

Dabei fragte ich mich immer häufiger:

Was würde eigentlich passieren, wenn es einmal genau umgekehrt wäre?

Wenn es ein Medium gäbe, das nicht Angst verbreitet, sondern Zuversicht. Das nicht empört, sondern schmunzeln lässt. Das den Tag nicht mit erhobenem Zeigefinger beginnt, sondern mit einem Augenzwinkern.

Vielleicht würde die Welt dadurch nicht besser.

Aber der Tag könnte es.

Genau aus diesem Gedanken entstand Wortwitz.

Nicht als Flucht vor der Realität. Die Welt hat ihre ernsten Seiten – und sie wird sie auch morgen noch haben, egal wie und was ich schreibe.

Sondern als bewusste Entscheidung, den Blick zwischendurch auf das Schöne, das Skurrile und das wunderbar Menschliche zu richten.

Denn das Leben besteht nicht nur aus Krisen, Konflikten und Katastrophen.

Es besteht auch aus misslungenen Ferienfotos, überfüllten Koffern, Telefonen, die früher spannender waren, Schuhkäufen, die zu kleinen Beziehungsstudien werden, und tausend anderen Alltagsmomenten, über die wir viel öfter lachen dürften.

Wenn mir mit einer Kolumne gelingt, dass jemand am Sonntagmorgen schmunzelt, laut lacht oder nach dem Lesen denkt: «Genauso ist es!», dann hat sie ihren Zweck erfüllt.

Vielleicht brauchen wir nicht noch mehr Schlagzeilen, die uns erklären, weshalb die Welt aus den Fugen geraten ist. Vielleicht brauchen wir ab und zu einfach eine Geschichte, die uns daran erinnert, weshalb es sich trotzdem lohnt, in ihr zu leben. Wenn meine Kolumnen dazu einen kleinen Beitrag leisten kann, dann schreibe ich sie auch kommenden Sonntag wieder.

Mit Freude. Und selbstverständlich mit einem Augenzwinkern.

 

Von Marco Canonica

 

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Foto: pixabay.com


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