Ich habe kürzlich wieder einmal aufgeräumt. Nicht dieses symbolische Aufräumen, bei dem man drei Zeitschriften stapelt. Nein, richtig.
Keller. Schubladen. Kisten. Die dunklen Ecken unserer Wohnung, in denen Gegenstände ihre Pension verbringen. Dabei habe ich etwas Faszinierendes festgestellt: Wir besitzen erstaunlich viele Dinge für den Fall, dass irgendwann etwas passiert, das noch nie passiert ist. Da liegen Kabel für Geräte, die längst ausgestorben sind. Bedienungsanleitungen für Produkte, die niemand mehr besitzt. Schlüssel, deren Schloss vermutlich bereits abgerissen wurde.
Und trotzdem bringen wir es nicht übers Herz, sie wegzuwerfen. Man weiss ja nie. Das sind vermutlich die vier teuersten Wörter der westlichen Welt. Deshalb besitzen wir Kartons, die wir nie brauchen werden. Ladegeräte ohne Geräte. Geräte ohne Ladegeräte. Und irgendwo in jeder Wohnung existiert eine Schublade, deren Inhalt selbst Archäologen vor Rätsel stellen würde.
Das Verrückte ist: Während des Aufräumens fühlt man sich wie ein schlecht bezahlter Mitarbeiter des eigenen Museums. Doch danach passiert etwas Magisches. Die Wohnung ist kaum grösser geworden.
Aber der Kopf schon. Plötzlich wirkt alles leichter.
Übersichtlicher. Freier.
Darum: Wir räumen gar nicht unsere Wohnung auf. Wir räumen unser schlechtes Gewissen auf.
Und vielleicht sollten wir das viel öfter tun.
Nicht nur im Keller. Auch im Kopf.
Denn erstaunlicherweise sind es selten die Dinge, die Platz brauchen.
Sondern die Gedanken daran.
Von Marco Canonica
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Foto: pixabay.com / webandi
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Kommentare
Wir reinigen täglich unsere Wohnung auf, doch auf Herz und Hirn wird ift vergessen.
Schönen Sonntag & 🫶lichen Dank für Gedankendie