Ich dachte immer, Sprache werde mit dem Alter besser. Wortschatz grösser, Ausdruck präziser, Sätze länger. Dann kam «67» (ausgesprochen ungefähr «sicks sewwen»).
Seitdem zweifle ich an meiner gesamten sprachlichen Entwicklung.
Früher war es «cool», «lässig», «geil» oder «mega». Man wusste ungefähr, was gemeint war. Heute heisst es «Peak», «Crashout», «Ragebait» oder einfach «67». Letzteres ist besonders elegant: Es bedeutet eigentlich nichts. Endlich ein Wort, bei dem auch ich wieder auf Augenhöhe mit der Jugend bin.
Ich habe deshalb begonnen, neue Wörter diskret zu studieren. Nicht, um sie zu verwenden. Nur um im Ernstfall nicht völlig sprachlos zu sein.
Neulich hörte ich «Das ist Peak». Ich nickte wissend. Offenbar überzeugend. Ich hatte zwar keine Ahnung, was ich gerade bestätigt hatte, aber ich sah aus wie jemand, der sich im Leben auskennt.
Das ist vermutlich das eigentliche Geheimnis moderner Kommunikation: Man muss nicht alles verstehen. Man muss nur rechtzeitig nicken. Vielleicht war das früher genauso. Meine Eltern verstanden «cool» schliesslich auch nicht sofort. Und ich verstand damals nicht, warum sie so irritiert waren.
Heute verstehe ich es.
Ich bin jetzt die Generation, die fragt: «Was bedeutet das?»
Und die Antwort lautet: «Kann man nicht erklären.»
Fantastisch.
Eine Sprache, die man nicht erklären kann.
Ich werde deshalb bei meinem bewährten Wortschatz bleiben: wunderbar, herrlich, absurd, grossartig. Und wenn mich jemand irgendwann fragt, ob das noch zeitgemäss ist, sage ich einfach:
«Keine Ahnung.»
Dann bin ich wenigstens wieder Peak.
Von Marco Canonica
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Foto: pixabay.com / AliceKeyStudio
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