Ich liebe Verabredungen am Abend. Vor allem morgens, wenn sie noch weit weg sind.
Da bin ich voller Energie. «Klar, heute Abend gehen wir noch etwas trinken!» Ich freue mich darauf, erzähle vielleicht sogar anderen davon und plane gedanklich bereits den perfekten Abend.
Dann beginnt der Tag, die Arbeit.
Irgendwann gegen Nachmittag verändert sich die Lage. Der Abend rückt näher – und damit auch die Erkenntnis, dass ich heute offenbar doch nicht mehr ganz der Mensch bin, der morgens zugesagt hat.
Auf dem Heimweg ist die Vorfreude endgültig einem inneren Verhandlungskomitee gewichen.
Zu Hause angekommen, ziehe ich die Schuhe aus und setze mich kurz hin.
Nur fünf Minuten. Dieser Satz hat schon manche Freundschaft gefährdet.
Denn das Sofa hat Argumente. Es ist weich. Es ist warm. Es verlangt nichts. Und vor allem: Es fragt nicht, wann man nach Hause kommt.
Dann kommt die Nachricht: «Freue mich auf heute Abend!»
Ich schaue aufs Handy. Kurz aufs Sofa. Wieder aufs Handy.
Dann kurz mein Gedanke: «Wir verschieben auf ein anderes Mal» … nur ein Gedanke!
Aber ich gehe trotzdem.
Und meistens passiert das Unfassbare: Es wird ein wunderbarer Abend.
Auf dem Heimweg denke ich: Gut, dass ich nicht abgesagt habe.
Und am nächsten Morgen bin ich wieder voller Zuversicht.
«Heute Abend könnte man eigentlich …»
Ich lerne offenbar nicht dazu.
Aber immerhin habe ich Freunde, die geduldiger sind als mein Feierabend.
Von Marco Canonica
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Foto: pixabay.com / skaryclown_voice
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