Einverstanden. Womit auch immer.

Veröffentlicht am 18. Oktober 2026 um 06:30

Ich habe schon Verträge akzeptiert, die ich nicht gelesen habe, und Dinge verstanden, die mir niemand erklärt hat. Aus Ungeduld. Schliesslich wollte ich nur ein Paar Sportschuhe kaufen und nicht gleich mein Leben vertraglich neu regeln.

Grösse gewählt, Farbe gewählt, Preis geprüft. Alles bestens. Dann kommen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. 17 Seiten Kleingedrucktes. Ich soll bestätigen, dass ich sie gelesen und verstanden habe.

Gelesen? Nein. Verstanden? Schon gar nicht. Aber ich will Schuhe kaufen und keinen Master in Vertragsrecht absolvieren.

Also scrolle ich in beeindruckender Geschwindigkeit nach unten, setze mein Häkchen und klicke auf «Akzeptieren». Ich habe soeben einen Vertrag abgeschlossen, dessen Inhalt mir ungefähr so vertraut ist wie die Steuererklärung eines norwegischen Fischereibetriebs.

Das Absurde daran: Ich vergleiche drei Wochen lang Preise, lese Kundenbewertungen und prüfe, ob die Sportschuhe genügend abgefedert sind. Aber die Bedingungen, die tatsächlich festlegen, worauf ich mich einlasse, ignoriere ich grosszügig.

Vielleicht steht da, dass ich künftig täglich mit einem Kamel durchs Dorf laufen muss. Oder bei jeder Bestellung ein Huhn opfern soll. Keine Ahnung. Ich hab’s ja nicht gelesen.

Und trotzdem klicke ich auf «Akzeptieren». Ohne zu zögern. Ohne nachzufragen. Ohne die geringste Ahnung, worauf ich mich gerade eingelassen habe. Ich bin überzeugt, ich bin kein Einzelfall.

Vielleicht sind die Allgemeinen Geschäftsbedingungen gar nicht das Problem. Vielleicht ist es unsere bemerkenswerte Fähigkeit, allem zuzustimmen – solange wir nur schnell genug zum nächsten Schritt kommen.

 

Von Marco Canonica

 

Foto: pixabay.com / DRAGON-STUDIO

 

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