Der Daumen ist müde.

Veröffentlicht am 8. Februar 2026 um 08:25

Ich weiss, ein Social-Media-Verbot klingt erst einmal, wie ein Tanzverbot (Footlose lässt grüssen – wisst ihr noch?), Rauchverbot und Humorverbot in einem.

Spassbremse, Fortschrittsfeind, Opa-Idee. Und doch ertappe ich mich dabei, leise zu denken: Hm. Vielleicht gar nicht so dumm.

Spanien will Minderjährigen unter 16 den Zugang sperren, Australien, Grossbritannien und Dänemark marschieren in dieselbe Richtung, und in der Schweiz nicken fast 80 Prozent zustimmend. Elon Musk wiederum tobt, nennt Pedro Sánchez einen Tyrannen – was immerhin zeigt, wie ernst die Lage ist, wenn selbst Milliardäre nervös werden.

Es geht mir nicht um Moral, nicht um Nostalgie. Sondern um Zeit. Minuten. Stunden. Ganze Nachmittage, die derzeit in Katzenvideos, Empörungsloops und KI-generierten Weltuntergängen versickern. Ein Verbot würde vor allem eines schenken: freie Zeit. Zeit zum Reden. Richtig reden. Physisch. Mit Menschen, die einem gegenübersitzen und nicht von einem Algorithmus optimiert wurden.

Natürlich ist nicht jeder Post Schrott. Aber zu viel davon ist laut, dumm oder gefährlich clever. Und KI kann inzwischen Dinge, die wir noch gar nicht richtig fürchten gelernt haben. Vielleicht wäre eine Pause keine Zensur, sondern ein kollektives Durchatmen.

Mein Vorschlag: Verbieten wir Social Media nicht für immer. Verbieten wir es probeweise. Wie eine digitale Fastenkur. Wer danach immer noch scrollen will – bitte. Aber vielleicht merken wir, dass echte Gespräche weniger Likes brauchen. Und deutlich länger nachwirken.

 

#verbieten #einversuchwärswert     von Marco Canonica

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