Es beginnt harmlos. Mit einem PET-Fläschchen. Früher schraubte man den Deckel ab und trank.
Heute bleibt er dran, klappt zur Seite und pickst einem beim ersten Schluck direkt ins Auge. Fortschritt nennt man das. Nachhaltig ist jetzt auch das Trinken mit tränendem Blick.
Von dort ist es nicht weit zur Technik. Zum USB-Stecker im Auto zum Beispiel. Ein Objekt mit exakt zwei Seiten – und trotzdem treffe ich immer zuerst die falsche. Physikalisch unmöglich, statistisch gesichert. Vielleicht liegt es daran, dass der Stecker meine Unsicherheit spürt.
Dann diese Online-Formulare. Alles ausgefüllt, jede Checkbox respektvoll behandelt – absenden. Pflichtfeld nicht ausgefüllt. Welches? Das bleibt ein Rätsel. Digitale Erziehungsmassnahme: Wer Fehler macht, soll selber suchen.
Ähnlich pädagogisch sind Sprachnachrichten. Zwei Minuten Lebenszeit für eine Botschaft, die man in 17 Sekunden hätte sagen können. Ich höre sie mir trotzdem an. Aus Höflichkeit. Und weil ich Angst habe, etwas Wichtiges zu verpassen. Erkenntnis: ich habe nichts verpasst.
Und dann die Socken in der Waschmaschine. Zwei rein, eine raus. Die Waschmaschine als schwarzes Loch der Textilindustrie.
Ich bin kein aggressiver Mensch, aber bei Kalenderabstimmungen werde ich kurz philosophisch. „Ich kann eigentlich immer – ausser…“ ist kein Termin, das ist eine Lebenshaltung.
Vielleicht bin ich das Problem. Oder wir alle. Meine Lösung: öfter lachen, weniger perfektionieren – und dem PET-Deckel einfach konsequent ins Auge sehen.
von Marco Canonica
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