Die diskrete Eleganz der Winterspiele

Veröffentlicht am 22. Februar 2026 um 08:25

Olympia ist offiziell ein Sportanlass. Inoffiziell ist es eine Mischung aus Weltgipfel, Werbemesse und Theaterfestival – mit Schneegarantie (meistens künstlich, diesmal nicht).

Während sich Italien 2026 zwischen Mailand und Cortina mit Espresso-Eleganz inszeniert, diskutieren wir hierzulande bereits ernsthaft über 2038. Mehr Alpen, mehr Ordnung, mehr Pünktlichkeit im Medaillenspiegel. Wenn schon Spiele, dann mit Fahrplan.

Doch Hand aufs Herz: Die spannendsten Disziplinen finden längst neben der Piste statt. „Politik im Schnee“ ist zur olympischen Königsdisziplin geworden. Boykotte gleiten eleganter als jeder Riesenslalom, Flaggenfragen wirbeln mehr Pulverschnee auf als jede Abfahrt. Wer darf unter welchen Farben starten? Ich schlage vor: eine neutrale Schneeflocke für alle. Oder besser – jede Nation bringt ihre eigene Fondue-Mischung, und wer gemeinsam rührt, darf starten. Und wenn man keine Lust mehr hat für Norwegen zu fahren, gewinnt man für Brasilien olympisches Gold.

Und dann das Klima. Schneekanonen röhren wie startende Kampfjets, Nachhaltigkeit wird zur Pflichtkür. Vielleicht erleben wir 2038 die ersten batterie­betriebenen Rentiere im Eröffnungsumzug. Schweiz-typisch wären sie natürlich leise, effizient und subventioniert.

Meine kleine, völlig unrealistische Lösung: Wir ergänzen die Spiele um eine neue Disziplin – „Diplomatisches Curling“. Zwei Staaten wischen gemeinsam, Ziel ist nicht das Haus, sondern ein Kompromiss. Wer am Ende noch miteinander spricht - und nicht mehr wischt, bekommt Gold.

Olympia als Weltpolitik-Realityshow? Mag sein. Aber vielleicht ist genau das die Chance für die Schweiz, wie auch Italien, vernünftig zu sein: Wenn wir schon im Schnee ausrutschen, dann bitte gemeinsam – mit Humor, Handschuhen und der italienisch-schweizerischen Vernunft. Kein Sotschi, kein Katar, sondern Cortina und Lenzerheide.

 

von Marco Canonica

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