Das Nashorn wundert sich

Veröffentlicht am 8. März 2026 um 08:25

Unsere Frauen schmücken. Mit Ernsthaftigkeit, Hingabe und einer strategischen Präzision, für die andere Länder ganze Planungsstäbe beschäftigen.

Weihnachten, Herbst, Frühling – und jetzt natürlich Ostern. Kaum zeigt sich der März von seiner milderen Seite, marschieren bei uns die ersten Hühner ein. Nicht laut, nicht aufdringlich. Diskret. Stilvoll. Schweizer Hühner eben. Sie stehen da, auf dem Sideboard, auf dem Tisch, manchmal auch leicht überraschend auf der Fensterbank. Perfekt platziert – nicht zu gross, nicht zu klein, genau dort, wo sie offenbar schon immer hingehört haben.

Abends dann die klassische Frage: „Und… wie gefällt es dir?“
Eine Frage, die Männer in eine philosophische Krise stürzt. Geht es um die Dekoration? Um die Frisur? Um eine neue Bluse? Man entscheidet sich für Diplomatie: „Sehr schön.“

Falsch. Natürlich falsch.

„Dir ist es gar nicht aufgefallen! Unsere Osterhühner sind wieder da!“

Und dann sehe ich sie. Die Hühner. Stolz, frühlingshaft, dekorativ. Und daneben – mein kleines Souvenir aus Südafrika: ein buntes Nashorn aus Stein. Zwölf Zentimeter Afrika, mitten in der Schweiz. Bislang gehörte die Fensterbank ihm alleine, jetzt wird es neu flankiert von zwei eidgenössischen Dekohühnern. Ein Nashorn zwischen Hühnern. Globalisierung auf der Fensterbank.

Und je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir: Diese kleinen saisonalen Eingriffe unserer Frauen sind eigentlich grosse Kulturleistungen. Sie bringen Ordnung in die Jahreszeiten, Farbe in den Alltag und Gesprächsstoff ins Wohnzimmer.

Vielleicht sollten wir Männer das ernst nehmen. Ich schlage vor: ein Bundesamt für saisonale Wohnästhetik. Geleitet – selbstverständlich – von Frauen. Bis dahin lebt mein Nashorn eben mit Hühnern. Und ehrlich gesagt: Es scheint sich ganz wohlzufühlen.

 

Von Marco Canonica

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Kommentare

Wagner Silvana
Vor einem Monat

Ciao Marco.
Immer ein Genuss deine Beiträge zu lesen.
Kleine Korrektur: es fehlt das "t" im teso in italiano. Un caro abbraccio. Silvana

Schäpper Yvonne
Vor einem Monat

Ciao Marco
so guet gschrebe! Ha mega Freud gha, das z'läse und werde vo jetzt a dini Kommentär immer läse. LG

Macel
Vor einem Monat

Super Marco, sehr zutreffend😃