Damals, als Väter noch graue Anzüge und Familien das Sonntagsbraten-Ritual pflegten, wussten Kinder ihren Platz: Irgendwo zwischen Schweigen und Kartoffelschälen.
Heute aber: Helikoptereltern kreisen über dem Sandkasten, während ihre Sprösslinge den Familienrat leiten wie Verwaltungsräte. Brokkoli? Leider kein Konsens. Ferienziel? Nach fünf Abstimmungen steht fest: Irgendwo, wo's WLAN gibt.
Wir wollten doch nie sein wie unsere Eltern – und haben's geschafft. Wir sind die erste Generation, die am meisten sagt: „Aber nur wenn du willst.“ Wir buchen Traumreisen, aber nur, wenn es dem Kind sein Sojalatte-Bäuchlein erlaubt. Erziehen? Ja, aber bitte mit Rückgaberecht. Verantwortung? Klar, aber bloss nicht so streng wie früher, schliesslich wollen wir als „beste Kumpels“ durchgehen.
Und die Kids? Verwöhnt? Nein, sie sind einfach Early Adopter in Sachen Selbstoptimierung. Während wir noch mit Holzklötzli (kleine quadratische Holzstücke, verschiedenfarbig) spielten, haben sie bereits eine PowerPoint-Präsi zum Thema vorbereitet, warum Auszeit am Handy wichtiger ist als Hausaufgaben. Kein Wunder, dass der einstige Familienpatriarch heutzutage bloss noch eine Mitfahrgelegenheit zur Kita ist.
Meine Lösung? Lasst uns zur Abwechslung mal wieder das Kommando übernehmen – aber nicht allzu ernst. Einfach mal die Playlist bestimmen, Brokkoli durchziehen und mit stolzgeschwellter Brust sagen: „Heute bin ich der Chef.“ Wetten, das gibt Gesprächsstoff – und einen amüsanten Streit ums letzte Stück Schoggi.
Von Marco Canonica
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