Ich habe das Gefühl, das Einfamilienhaus ist in der Schweiz leise dabei, sich selbst auszuziehen. Nicht aus Trotz – sondern aus Rendite.
Früher baute man ein Haus fürs Leben. Heute baut man vier Wohnungen für die Hypothek. Wo einst ein Gärtli stand, wächst plötzlich ein Stockwerk. Oder zwei. Oder gleich eine kleine Skyline mit Tiefgarage und dem Versprechen, dass irgendwo noch ein Kräuterkistli Platz findet.
Natürlich: Boden ist knapp, teuer und wird behandelt wie Trüffel. Man hobelt ihn nicht mehr für ein Häuschen, man filetiert ihn in Rendite. Verdichten ist das neue Verdienen. Und wer nicht verdichtet, wird verdichtet – zumindest finanziell.
Und doch ertappe ich mich bei einem ketzerischen Gedanken: Vielleicht ist das gar kein Verlust, sondern eine Einladung. In Zukunft weniger Einfamilienhaus heisst nicht weniger Zuhause. Vielleicht heisst es mehr Leben pro Quadratmeter. Mehr Nachbarn, mehr Geschichten, mehr zufällige Gespräche im Treppenhaus statt stillem Rasenmäherduell.
Die eigentliche Provokation? Wir könnten kleiner bauen – aber grösser denken. Höhe zulassen, ja. Aber auch Nähe. Gemeinschaft statt nur Grundstück. Und das Gärtli? Das teilen wir uns halt. Oder wir machen es uns neu. Auf dem Dach. Zwischen Tomaten und Aussicht.
Wir leben immer noch im Paradies. Wir müssen es nur etwas dichter pflanzen.
Von Marco Canonica
Kommentar hinzufügen
Kommentare
Deine Gedanken/Ausführungen gefallen mir...sehr sogar.
Un carissimo saluto.