Der Montag ist ein Irrtum

Veröffentlicht am 19. April 2026 um 07:30

Sonntagmorgen. Die Welt atmet leiser, der Kaffee schmeckt klüger, und ich bin – zumindest theoretisch – ein freier Mensch. Theoretisch, weil irgendwo im Hinterkopf schon dieser kleine, schlecht gelaunte Controller sitzt und flüstert: „Morgen ist Montag.“

Der Montag ist kein Tag. Er ist ein Konzept. Eine Art kollektiver Realitätsabgleich. Während Dienstag und Mittwoch geschniegelt daherkommen wie pflichtbewusste Beamte, stolpert der Montag noch im Bademantel durchs Leben und fragt sich, wer ihn eigentlich eingeladen hat.

Dabei ist die Arbeit ja selten das Problem. Viele gehen sogar gerne zur Arbeit – zumindest so lange, bis der Wecker montags klingelt wie ein übermotivierter Fitnesstrainer. Der eigentliche Skandal ist der Bruch. Am Sonntag sind wir noch Philosophen, Langschläfer, Frühstücks-Ästheten. Zwölf Stunden später sollen wir wieder Excel können.

Dienstag hingegen? Der hat es leicht. Da sind wir schon „drin“. Der Kaffee wirkt, die Ausreden sind sortiert, und der Körper hat resigniert. Mittwoch? Halbzeit! Fast schon Euphorie. Donnerstag? Karrieremodus light. Nur der Montag bleibt der störrische Türsteher zwischen Freiheit und Funktionieren.

Unsere zukünftige Strategie: Wir behandeln den Montag wie einen Jetlag. Keine Höchstleistung, keine grossen Entscheidungen, nur sanftes Einrollen. Montag als offizieller „Probearbeitstag“. Wer funktioniert, darf weitermachen.

Wir könnten den Montag ja auch umtaufen in «Freitag danach», die Realität klopft zwar, aber wir machen die Türe einfach noch nicht auf. Vielleicht wäre dann sogar der Montag irgendwann… sympathisch.

 

Von Marco Canonica

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