Es gibt diese Momente im Türrahmen, wenn die Worte schneller sind als die Wahrheit. „Wir müssen unbedingt mal etwas abmachen.“
Ein Satz wie Konfetti: bunt, leicht, und nach drei Sekunden liegt er traurig am Boden. Ich stehe dann da, halb verabschiedet, halb eingeladen, und frage mich: War das jetzt ein Versprechen – oder nur ein höflicher Reflex?
Es sind oft die gleichen Menschen, die diese Superfloskel pflegen wie eine Zimmerpflanze ohne Wasser. Beim ersten Mal nicke ich noch warmherzig. Beim zweiten Mal lächle ich milde. Beim dritten Mal spüre ich: Das ist keine Einladung, das ist ein Ritual. Ein sozialer Handschlag ohne Hände, eine Nähe ohne Risiko. Man sagt es, weil man nett sein will. Oder weil man hofft, dass der andere die Einladung genauso ernst nimmt wie man selbst: gar nicht.
Und doch – ein kleiner Stich bleibt. Denn irgendwo zwischen den Worten liegt ja eine Sehnsucht: nach echter Begegnung, nach Zeit, die nicht nur behauptet wird.
Meine Lösung? Ich spiele nicht mehr mit. Ich nehme den Satz beim Wort, mit einem Lächeln, das ein bisschen zu direkt ist: „Sehr gern. Nächsten Mittwoch, 19 Uhr. Ich bringe den Wein.“ Und dann passiert Magie. Entweder wird es plötzlich still – oder konkret. Beides ist ehrlich. Und Ehrlichkeit, so habe ich gelernt, ist die unhöflichste Form von Höflichkeit.
Von Marco Canonica
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Kommentare
Lieber Marco
Chapeau!
Dieser Wortwitz ist wirklich genial um die Ecke gedacht. Richtig geschmunzelt.
Den muss ich mir merken!
Lieber Marco, Ehrlichkeit oder Höflichkeit? In diesem Kotext stellt sich die Frage: „wie bin ich höflich ehrlich“? Mein persönliches Fazit: „Diplomatie ist zwei Mal überlegen bevor man nichts sagt“! Herzliche Grüsse aus dem schönen und sympathischen Seetal, Rolf🇨🇭