Früher war das Schwimmbad im Sommer praktisch unser zweites Zuhause.
Mit Chlor in den Augen, Pommes-Geruch in der Nase und einem «BumBum-Glace» in der Hand fühlten wir uns wie die Könige der Welt.
Am Beckenrand lagen Badetücher mit wilden Mustern, irgendwo lief aus einem Kassettenrekorder «Vamos a la Playa», und unter den Campari-Schirmen sassen Erwachsene, die den ganzen Nachmittag «nur kurz etwas trinken» wollten.
Wir Kinder hatten damals genau drei Sommerziele:
nicht ertrinken, brauner werden als der beste Freund — und endlich genug Mut für das 3-Meter-Sprungbrett haben.
Dieser Sprungturm war kein Freizeitgerät.
Das war eine regionale Präsentationsplattform mit Charakterbildung.
Oben standen wir geschniegelt vor Angst, taten aber unten am Beckenrand später so, als wäre der Salto rückwärts eigentlich geplant gewesen.
In der Schweiz dominierten «Capri-Sonne», gibt’s ja nach wie vor, «Raider» und «Calippo» oder in Italien «Winner Taco» und «Coppa del Nonno». Dinge, die nach Sommer schmeckten, nach Sonnencreme und leicht warmem Kleingeld. Heute gibt es auch proteinreiche Bio-Snacks mit Chiasamen.
Niemand hatte ein Handy. Niemand machte Fotos vom Essen. Niemand zählte Schritte oder hatte eine Wasserflasche dabei, trank alle drei Minuten und checkte nebenbei die Wasserzufuhr. Wir waren einfach dort. Stundenlang.
Dieses Gefühl, dass ein Schwimmbad, etwas Taschengeld und ein klebriger Glacé bereits ein perfekter Sommertag sein konnten, war einfach genial.
Von Marco Canonica
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