Wir leben in einer Zeit, in der eine Zusage offenbar nicht mehr bedeutet, dass man kommt. Sie bedeutet zunächst nur, dass man sich die Möglichkeit offenhält.
Man verabredet sich zum Abendessen, sagt zu und freut sich sogar darauf. Dann kommt der Freitag. Irgendwo findet ein Fest statt, jemand hat einen Tisch reserviert, eine Einladung taucht auf – und plötzlich wird aus Vorfreude eine strategische Entscheidung.
Was, wenn dort etwas Besseres passiert?
Diese Frage beschäftigt uns erstaunlich oft. Wir gehen nicht mehr einfach irgendwohin. Wir prüfen zuerst, was wir verpassen könnten.
Früher hiess es: «Schade, ich bin nicht dabei.» Heute wissen wir dank Social Media fünf Minuten später, was wir verpasst haben – inklusive Fotos von Menschen, die offensichtlich den besten Abend ihres Lebens hatten. Natürlich sieht man auf dem Foto nicht, dass der Fotograf gerade seit zwanzig Minuten auf sein Getränk wartet.
Ich kenne das Gefühl. Man sitzt gemütlich mit Freunden beim Essen und fragt sich plötzlich, was wohl gerade anderswo los ist. Vielleicht wäre dort mehr Stimmung. Vielleicht bessere Leute. Vielleicht sogar das legendäre Ereignis, von dem man noch in zehn Jahren erzählen wird.
Und während man darüber nachdenkt, sitzt man bereits mitten in einem schönen Abend.
Vielleicht ist das unser neues Luxusproblem: Wir haben so viele Möglichkeiten, dass wir ständig Angst haben, die falsche gewählt zu haben.
Ich habe deshalb eine einfache Regel eingeführt: Wenn ich zugesagt habe, bleibe ich.
Nicht weil es nirgendwo etwas Besseres geben könnte.
Sondern weil es vielleicht genau hier gerade gut genug ist.
Und falls nicht?
Dann war es wenigstens meine Entscheidung.
Nicht die Angst, etwas verpasst zu haben.
Von Marco Canonica
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Foto: pixabay.com / Engin_Akyurt
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Kommentare
Guten Morgen aus Österreich!
Du schreibst wieder einmal aus meinem Herzen!
Es ist auch mein Credo, wenn ich zusage, zu kommen.
Doch schon vor zig Jahren habe ich, selbst im engeren Freundeskreis, die Erfahrung gemacht, dass manche erst in letzter Sekunde entscheiden, wo sie hingehen. Für mich ein "no go".
Die Bleistifteinträge wurden dann einfach ausradiert, so als hätte es sie nie gegeben...
So sind viele Menschen halt gestrickt.
Schönen Sonntag.
Lieber Marco
Verbindlichkeit und Respekt ist eine Tugend bzw. eine Haltung die immer weniger dazusein scheint! Dann haben wir etwas verpasst!
Herzliche Grüsse aus dem schönen und sympathischen Aargauer Seetal!🇨🇭