De Föifer und s'Weggli

Veröffentlicht am 25. Oktober 2026 um 02:00

Wir Schweizer sind ein bescheidenes Volk. Wir verlangen nicht viel. Eigentlich nur den «Föifer und sWeggli».

Beim Autokauf soll der Preis runter, die Ausstattung rauf und der Verkäufer am besten noch die Winterreifen dazuschenken. Im Restaurant möchten wir Spitzenküche zum Mittagsmenüpreis. Im Beruf mehr Lohn bei weniger Stress. Und in der Beziehung Freiheit, Sicherheit und bitte keine unangenehmen Überraschungen.

Wir wollen alles. Am liebsten gleichzeitig. Und wenn möglich, ohne dass es jemand merkt.

Natürlich nennen wir das nicht Gier. Wir nennen es Verhandlungsgeschick, Optimierung oder ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das klingt deutlich sympathischer als: Ich möchte den Vorteil, aber nicht den Preis dafür bezahlen.

Dabei wissen wir längst, dass das Leben selten solche Sonderangebote bereithält. Wer den «Föifer» behält, muss manchmal auf «s’Weggli» verzichten. Wer alles absichern will, verpasst womöglich das Abenteuer. Und wer immer nur das Maximum herausholen möchte, merkt irgendwann, dass dabei etwas anderes auf der Strecke bleibt.

Vielleicht ist das Problem also nicht, dass wir den «Föifer und s’Weggli» wollen. Sondern dass wir empört sind, wenn jemand tatsächlich beides von uns verlangt.

Denn ganz ehrlich: Wir möchten nicht nur das Beste aus allem machen. Wir möchten auch noch den Rabatt darauf.

 

Von Marco Canonica

 

Foto: mit KI generiert

 

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